Und heute nun also das Hochfest der Buchbranche: der Welttag des Buches. Damit wir den etwa ausgiebiger feiern können, ist der heutige 4. Teil unseres Verlagsbesuchs eine Abendveranstaltung. Außerdem musste ich heute noch arbeiten, Aber wer musste das nicht! Also jetzt: Herein, herein, der Sekt steht schon kalt!

Nachdem wir uns die Arbeitsräume schon angeschaut haben, machen wir es uns heute im Wohnzimmer/Besprechungsraum gemütlich. Setzt euch doch!

Dort auf dem Tisch habe ich mal ein paar Stapel drapiert: Lesefutter für die Verlegerin. Von links nach rechts: der berühmte SuM, der Stapel ungelesener Manuskripte (wobei hier noch ein USB-Stick fehlt mit den elektronischen Einreichungen). Leider kann ich nicht alle die Manuskripte umsetzen, die mich erreichen. Manche passen überhaupt nicht ins Verlagsprogramm, andere entsprechen leider nicht unseren Qualitätsmaßstäben. Leider bemühen sich auch nicht alle Autoren, ihr Manuskript in bestmöglicher Form abzugeben. Schreiben ist eben nicht nur Genie, sondern vor allem Handwerk. Sprich: Orthografie, Interpunktion und Satzbau sollten AutorInnen schon beherrschen …

Daneben die Fachliteratur, die auch bewältigt werden will: JuLit, die Zeitschrift des Arbeitskreises Jugendliteratur – ein bisschen Fortbildung kann ja nicht schaden – und natürlich das Börsenblatt, das jeden Donnerstag im Briefkasten liegt und als Branchenorgan vom Börsenverein des deutschen Buchhandels herausgegeben wird. Da kann man nicht nur sehen, welche Bestseller sich die anderen Verlage an Land gezogen haben und neidvoll auf Marketingbudgets schielen (die Mediadaten verraten ja,was so eine ganzseitige Anzeigenstrecke kostet …), man erfährt auch allerlei vom anderen Part des Buchhandels. Anderer Part? Jaja, richtig gelesen – ursprünglich war alles eins: Druckereien, Verlage und Buchhandlungen waren oft in einer Hand (wie man z.B. noch sehr schön am traditionsreichen Familienunternehmen Pustet in Regensburg sehen kann – die haben noch alles), aber nach und nach setzte die Spezialisierung ein und es gab des „herstellenden Buchhandel“, die Verlage, und den „verbreitenden Buchhandel“ = die Buchhandlungen. Und deshalb sind im Börsenverein des deutschen Buchhandels eben nicht nur die Buchhändler vertreten, sondern auch die Verlage. Bei Gelegenheit mehr Gschichtliches, ich schweife ab.

Kommen wir, wie gestern versprochen, zu unseren Büchern, zu unserem Programm. Mein Überlegung am Anfang war: Ich mache Büchern in Feldern, in denen ich mich halbwegs auskenne. (Fand ich einen guten Plan! :-D) Das waren dann die drei klassischen K im Leben einer Frau: Kinder – Kirche – Kurzweil. Kinder? Davon habe ich selber drei. Kirche? Als Diplom-Theologin traute ich mir dieses Feld auch zu, wobei „Kirche“ vor allem plakativ gemeint war. Religion wäre genauer, aber das fängt nicht mit K an. ^^ Und Kurzweil natürlich. Welche Frau schätzt die nicht? Auf diese drei Säulen wollte ich meinen Verlag bauen. Eine davon musste doch funktionieren! Die Säulen sind dann unterschiedlich gewachsen, tatsächlich hat sich im Laufe der Zeit ein Schwerpunkt im Kinder- und Jugendbereich herausgebildet. Inzwischen umfasst unser Programm über 80 Titel, einschließlich der neuen Titel des Herbstprogramms. Für über elf Jahre erscheint das gar nicht so viel, sollte man meinen. Aber man muss ja auch bedenken, dass das hier ein sehr kleiner Verlag ist, mit sehr eingeschränkten Ressourcen im personellen und finanziellen Bereich. Mit mehr Kohle und mehr Leuten könnten wir natürlich noch viel mehr auf die Beine stellen. Doch nicht zu vergessen: Nicht nur die Novitäten, auch die Backlist will gepflegt und gestreichelt werden. Und kümmert ihr euch mal um 80 Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren! :-D

Ach ja, und wie das so ist mit den Kindern: Jedes ist etwas besonderes, jedes hat seine Eigenheiten und Fähigkeiten. Das eine Kind liegt gerne im Lager rum und will sich so gar nicht bewegen, das nächste wiederum treibt es hinaus in die Welt, so schnell, dass man mit dem Nachdrucken gar nicht hinterher kommt. Und wenn ich jetzt fragen würde: Wen von euch soll ich denn meinen Gästen heute vorstellen?, würde jedes Buch rufen: Mich! Mich! Mich! Das wäre ein Gezappel und Gezerre im Regal! Deshalb schaue ich meine Kleinen sanft an, lege den Finger auf die Lippen und sage leise: „Pssst! Hier weiß doch jeder, dass es im Bücherregal jedes Buch zum Anschauen und drin Rumblättern gibt.“ 

Das Regal auf dem Bild ist natürlich ziemlich leer, weil sich ja alle präsentieren wollten und rausgehüpft sind.

Aber eines nehme ich doch aus dem Regal, weil es gar so gut zum heutigen Tag passt. Denn heute ist nicht nur der Tag des Buches, sondern auch der Bieres in Gedenken an das Reinheitsgebot, das am 23. April 1516 eingeführt wurde.

In Hut ab, Hödeken! erzählt Petra Hartmann Sagen aus dem Hildesheimer Land um einen Geist namens Hödeken. Was dieser Hödeken mit Bier zu tun hat? Einst gab es hier nicht nur den kleinen, sagenumwobenen Geist Hödeken, sondern auch eine kleine, hopfendunstumwobene Brauerei gleichen Namens. Wir machten mit dem Brauer gemeinsame Sache: Der Hödeken, der auf deren Flaschen als Logo herumlief, läuft nun auch auf unserem Buch und es gab beliebte Veranstaltungen namens „Buch & Bier“: Lesungen mit Autorin Petra Hartmann und Bierverkostung mit Brauer Jan Pfeiffer. Böse Zungen behaupteten, die Frauen kämen wegen der Lesung, die Männer wegen des Bieres. Dass dabei auch immer die Geschichte vorgelesen wurde, wie Hödeken einmal einen Bierkutscher narrte und später im kühlen Nass in einen tiefen Rausch fiel – muss ich nicht weiter erklären.

Beschließen wir also unseren kleinen Rundgang durch Verlag und Geschichte zunftgemäß mit einer Lesung: Petra Hartmann liest zum Tag des Buches und Bieres die Geschichte: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! – Naja, das hat jetzt nicht so geklappt, wie ich mir das vorstellte. Petra Hartmann ist aufgrund eines http-Fehlers verhindert. :( :( Also müsst Ihr selber lesen. Hier gibt es die Geschichte zum Nachlesen: Hoedeken_HopfenundMalz

Viel Vergnügen wünscht

und für die Geduld beim Verlagsrundgang dankt

Monika Fuchs

PS: Und jetzt: Gläser her! Der Sekt wird warm!

PPS: Wer noch Fragen hat: Nur zu! Dafür gibt es die Kommentarfunktion!

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