So, da wären wir! Seid ihr noch etwas aus der Puste? Zwei Stockwerke schlauchen ganz schön, was? Vor allem, wenn man noch schwere Bücherkisten schleppen muss!

Doch bevor wir durch die Tür zu den Verlagsräumen gehen, werfen wir noch eine  Blick auf unseren „Kempowski-Altar“. Die Liebe zu seinen Büchern hat mein Mann mit in die Ehe gebracht. Und die persönlichen Begegnungen mit Walter Kempowski und seiner Frau Hildegard in Hildesheim und Nartum gehören zu unseren schönsten literarischen Erinnerungen. Deshalb hat er hier oben unterm Dach juchhe eine „Gedenkstätte“ bekommen.

Natürlich ist das Plakat signiert!^^

Und hier ist sie nun: unsere freundliche Verlagsfüxin, kreiert von unserer Illustratorin Christa Lippich. Machen wir die Tür also auf: hereinspaziert, liebe Verlagsinteressierte! Schaut euch ruhig erstmal ein bisschen um.

Wie ich gestern an Tag 2 schon erwähnte, gibt es den Verlag seit 2006. Angefangen haben wir mit kleineren Broschüren, aber schon der dritte Titel war ein ausgewachsenes Buch. Ich nenne es gerne etwas scherzhaft meinen „Sündenfall“. Es ist der Bericht von Christian Wittenberg, wie er von seinem Heimatort Schwabmünchen (bei Augsburg) 1500 km bis nach Santiago di Compostella und Finisterra pilgerte. Ein Tagebuch mit vielen Bildern darin. Und falls ihr euch jetzt fragt, wie der Autor gerade auf mich kam, wo ich doch miniklein und unbekannt war: mal wieder einer dieser Zufälle. Mein Mann suchte für eine Zeitschrift, die er herausgibt, ein Jakobsweg-Pilgerlied. Fand eins im Internet, kontaktierte den Autor und der verriet ihm, dass da noch ein ganzes Buch dranhing, für das er einen Verlag suchte. So kann es gehen. :-) Wir schreiben übrigens gerade das Jahr 2008.

Noch stehen wir im Flur und ich möchte euren Blick auf das Banner lenken, auf dem zu lesen ist, was unser täglich Brot ist: Autorenträume. Natürlich erreichen auch uns viele, viele Anfragen der Art: „Ich habe ein Buch geschrieben, würden Sie es veröffentlichen?“ Viele AutorInnen träumen ja davon, ihr Buch in einem Verlag platzieren zu können. Wer schreibt schon gerne für die Schublade? Eines Tages fragte ich mich beim Anblick meines SuM (Stapel ungelesener Manuskripte), was AutorInnen antreibt. Warum schreiben sie? Warum setzen sie sich quälenden Wartezeiten aus, bis sich ein Verlag mal rührt? Was soll ein Verlag für sie tun?Wovon träumen sie? Ruhm, Ehre und Nobelpreis? – Zur Horizonterweiterung startete ich eine „literarische Umfrage“. Über 350 Antworten bekamen wir, wie gefordert in ein Stück Literatur verpackt. 57 Geschichten, Gedichte, Theaterstücke siebten wir aus (zum Glück ließ meine Autorin Petra Hartmann sich breitschlagen, mich bei der Herausgeberschaft zu unterstützen) und verpackten diese Autorenträume in eine gleichnamige Anthologie.

Und jetzt: Kaffeepäuschen gefällig? Hier ist unsere kleine „Getränkebar“, aus gegebenen Anlässen findet sich im Kühlschrank natürlich auch Sekt. Schon klar, wem die orangefarbene Tasse gehört, oder? Ich darf noch auf die Tassen mit unserer bezaubernden Madame von Wutz oben auf dem Brett hinweisen. Auch sie entsprang dem Zeichenstift von Christa Lippich.

So, wie geht es weiter? Ach ja, gegenüber der Kaffeebar ist gleich mein Büro. Nur nicht drängeln! – Tschuldigung, der Boden sieht mal wieder wüst aus, dabei habe ich gerade erst gesaugt. Aber unser Federvieh wirft gerne mal Gefieder ab. Die beiden heißen Schnatzel & Schnapf (nach dem gleichnamigen Buch von Gunnar Kunz) oder im Sommer auch Venti&Lator. sie dürfen den ganzen Tag hier rumflattern und sorgen dafür, dass es beim Arbeiten nicht zu still ist.

Der Engel mit der Posaune, der rechts ins Bild reinfliegt, ist aber an der Decke festgebunden …

Ansonsten gibt’s hier nix Außergewöhnliches zu sehen: Schreibtisch, Regale, Aktenordner … der alltägliche Bürowahnsinn eben. Und natürlich das Herz des Verlages: der Computer, an dem unsere Bücher erarbeitet werden, sobald ein Manuskript angenommen wurde. Stellvertretend dafür auf dem Bildschirm: Das Cover unserer Frühjahrsvorschau. Hier finden sich vier Neuerscheinungen für das erste Halbjahr. Das langt auch, denn von ein paar Ausnahmen abgesehen, mache ich hier fast alles alleine. Als selbstständige eierlegende Wollmilchsau sozusagen. Was aber bei vielen Verlagen meiner „Größen“ordnung so ist. Hin und wieder gebe ich ein Cover in Auftrag, mal auch ein Lektorat, Illustrationen aber immer. Zeichnen kann ich nicht.

Und apropos Mitarbeit und Mithilfe: Unsere PraktikantInnen, die hier manchmal zu finden sind, sollen ja nicht unter den Tisch fallen. Gehen wir nochmal zurück in den Flur. Dort hängt das wunderbare Plakat „Von der Idee zum Buch“, gezeichnet von Daniel Napp und herausgegeben vom Arbeitskreis für Jugendliteratur. An diesem Plakat kommt kein Praktikant und keine Praktikantin vorbei. Wenn man das genau angesehen und gelesen hat, hat man zumindest einen ersten Eindruck davon, was in einem Verlag abgeht und was und wer darüberhinaus von Bedeutung ist, um ein Buch auf den Markt zu bringen.

Und der Kaffeetassenrand ist nicht von mir, der ist aufs Plakat gedruckt! Echt jetzt!

Und da wir gerade bei den PraktikantInnen sind, noch einen Blick in deren Arbeitsraum. Ihr erinnert euch? Das Fenster in der Gaube, ich hatte es an Tag 1 schon mal erwähnt. Im „Kinderzimmer“ hängen Plakate aus der Verlagsgeschichte an den Wänden, zu jedem gibt es etwas zu erzählen. Die PraktikantInnen müssen sich alles anhören, uns erspare ich das jetzt. 

Werfen wir lieber einen Blick in die „Kammer“. Der kleinste Raum ist merkwürdigerweise der begehrteste zum Arbeiten. Vielleicht weil die Chefin nicht so schnell stört? :-D An der Tür angeklebt Zettel mit den Abteilungen eines Verlages bzw. die Stationen, die ein Buch durchlaufen muss. Ziel eines Praktikums bei mir ist es, dass in alle Arbeitsbereiche zumindest hineingeschnuppert werden soll. Die meisten, die sich um ein Praktikum bewerben, wollen „ins Lektorat“. Das ist das, wovon sie schon mal gehört haben. Dass Verlagsarbeit wesentlich umfangreicher und vielfältiger ist – naja, das merken sie dann schnell. ;-)

Und morgen, am Welttag des Buches, geht es dann vermehrt um unsere Bücher. Lesen wir uns?

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