Liebe Frau Rademacher,

ich freue mich, dass Sie dieses Interview mit mir machen. Dann lege ich mal gleich mit der ersten Frage los:

Wann haben sie mit dem Schreiben angefangen?

Da war ich noch klein. Meine ersten Geschichten habe ich gemalt, weil ich gar nicht schreiben konnte. Das Veröffentlichen eines Buches stand immer auf der To-do-Liste meines Lebens. Es hat zwar fast 40 Jahre gedauert, aber dafür sind es jetzt auch schon 13 veröffentlichte Bücher und es sollen noch viele folgen.

Was bedeutet es für Sie, zu schreiben?

Ich bin voll und ganz Herr der Lage, in meinen Geschichten passieren keine Katastrophen, die ich nicht zulasse. Im Vergleich zur Wirklichkeit ist das „Abenteuer Schreiben“ eine ziemlich sichere Sache. Außerdem genieße ich es, mir Geschichten auszudenken. Wenn ich selbst über den Inhalt lachen und weinen kann, dann fühlt es sich gut und richtig an, was ich tue.

Wie lange schreiben Sie an einem Buch?

Als reine Schreibzeit plane ich drei Monate ein. Danach lege ich das Manuskript für eine Weile weg, um Abstand zu gewinnen. Dann folgt eine finale Bearbeitung meinerseits und das Abschicken an den Verlag. Von hier an habe ich keinen großen Einfluss mehr auf den Zeitplan und es dauert, so lange es eben dauert.

Gibt es einen Ort oder eine Uhrzeit, an dem oder zu der Sie besonders gut schreiben können?

Nein. Ich schreibe morgens, mittags, abends oder nachts, so wie es eben gerade passt. Das Schreiben passt sich meinem Leben an und nicht umgekehrt.

Brauchen Sie dabei etwas Bestimmtes oder eine besondere Umgebung?

Auch nicht. Den Laptop kann man überall aufklappen und dann geht es los. Im Garten oder auf dem Balkon gefällt es mir im Sommer ganz gut. Ich kann aber auch am Küchentisch, auf dem Fußboden oder im Bett schreiben.

Wie ist die Geschichte rund um Talisman entstanden?

Als ich mich auf einen Schwatz mit Monika Fuchs traf, erzählte sie mir, dass sie gerne ein Pferd in ihrem Verlag haben würde, weil Pferdebücher eben beliebt seien. Ich fing sofort an, darüber nachzudenken, wie das Pferd und seine Geschichte aussehen könnten. Reiterabenteuer gibt es schon viele, es mussten neue Anreize her. Nach und nach entstand dann die Idee des Mutmachhofes im Emsland und die Jagd nach den Blauen Rätseln. Der Name Talisman stand quasi sofort fest. Wie hätte Talisman auch anders heißen können?

Gab es einen Anlass, der Sie inspiriert hat, über das Thema Ängste zu schreiben?

Lange vor Talisman habe ich mich für Angst und ihr Umkippen in eine krankhafte Form interessiert. Dabei lernte ich, dass das Vermeiden der Angstsituationen grundfalsch ist und Ängste schlimmer werden, wenn man sich ihnen nicht stellt und die eigene Einstellung zur Angst ändert. Das verwirrte mich. Wie ändert man seine Einstellung, wenn das Herz rast, die Zähne klappern und man einfach nur weglaufen will? Darüber habe ich viel nachgedacht. Talisman hat mir verraten, wie es geht. In der Talisman-Reihe nehme ich Ängste und Phobien ernst, doch ich mache aus ihnen ein Abenteuer, das sogar Spaß macht. So wird aus einem Problem eine Herausforderung, die sich gut anfühlt, wenn man sie bewältigt hat.

Die Geschichten spielen ja in dem schönen Emsland – gibt es dort einen Bauernhof, der Sie inspiriert hat?

Die gedankliche Vorlage für den Jansenhof ist eine Mischung aus vielen Höfen im Emsland. Einige meiner Schulkameraden kamen von Bauernhöfen, kleinen wie großen. Die Erinnerung an diese Höfe half mir bei dem Entwurf des Jansenhofes.

Wissen Sie schon, wie viele Bände es geben wird von Talisman?

Derzeit habe ich fünf Abenteuer für Talisman und seine zweibeinigen Freunde erdacht, das dritte wird noch in diesem Jahr erscheinen. Fünf ist eine gute Zahl für eine Reihe, also könnte Talismans fünftes Rätsel das Finale sein. Aber ganz sicher bin ich mir da noch nicht, vielleicht wird es auch noch ein sechstes geben.

Können Sie sich mit einem ihrer Hauptfiguren identifizieren?

Cordula ist mir sehr ähnlich, aber eigentlich wäre ich lieber wie Katla. Ein bisschen von mir steckt allerdings in jeder Figur.

Wenn sie den oder die zum Essen einladen würden: Was würden Sie für ihn/sie kochen?

Tja, ich denke, dass ich Cordula noch einen Erdbeerkuchen schulde, weil der ja im zweiten Band von Talisman gefressen wurde.

Verraten Sie uns etwas von dem, was im dritten Band geschieht?

Im dritten Band führt Talismans Weg in die Wüstung Wahn, einem Dorf das geräumt und zerstört wurde. In dem heutigen Schießgebiet, zwischen Grundmauern, vergessenen Kellern, Panzerwracks und einem alten Friedhof gehen Talisman und seine Freunde auf die Suche nach  dem nächsten Rätsel.

Na, das klingt doch spannend – wann soll das Buch genau erscheinen?

Es ist für das Herbstprogramm 2018 geplant. Wenn alles gut geht und wir den Zeitplan einhalten können, wird es wohl im September/Oktober erscheinen.

Liebe Frau Rademacher, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Und wenn ihr jetzt in den Talisman-Büchern etwas blättern wollt, findet ihr hier die bisher erschienenen Bücher mit Leseproben auf der Seiten.