Gastbeitrag | Buch Berlin

Zwei Tage lang waren Verlegerin Monika Fuchs und ich auf der „Buch Berlin“. Wir präsentierten dort das neue Nestis-Buch „Nestis und die Hafenpiraten“ und weitere Schätze aus dem Verlagsprogramm. Hier mein Bericht:

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Mit Nestis nach Berlin …

Ich gebe zu, ein wenig gruselte es mich beim Gedanken an die Autofahrt zur Hauptstadt. Meinen bisher einzigen Auto-Trip durch Berlin hatte ich Mitte der 90er unfreiwillig gemacht, als ich auf dem Weg nach Mecklenburg die falsche Autobahnabfahrt genommen hatte und dreieinhalb Stunden durch die Stadt geirrt war, bis mir ein freundlicher Polizist mit kräftigem Dialekt den Weg nach draußen erklärte. Aber diesmal hatte ich Verlegerin Monika Fuchs als Beifahrerin, die dafür sorgte, dass ich mich (fast) gar nicht verfuhr. Und die „Buch Berlin“, die neue Berliner Buchmesse war das Wagnis allemal wert.

Losgefahren sind wir schon am Freitag. Am späten Nachmittag rollte mein schwer beladener Panda mit dem kompletten füchsischen und hartmannschen Buch-Sortiment und einer etwas angeschlagenen Verlegerin (Knieprobleme) vom Verlagsgelände und der Hauptstadt entgegen, wo wir nach etwas über drei Stunden auch richtig anlandeten.

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Armenische Spezialitäten

Bei der Auswahl der Unterkunft setzte Monika unsere Serie gastronomischer Seltsamkeiten fort. (Wir erinnern uns an den italienischen Gastwirt und Fliegenfischer, den wir in Mainz kennen gelernt hatten …) Diesmal sollte uns laut Internet-Info im Untergeschoss des Hotels ein Chinese erwarten. Die ganze Fahrt über träumte ich von Bambussprossen und Wabbelpilzen. Und als ich im Gastraum Platz nahm, hatte ich mich eigentlich schon entschieden für Hühnerfleisch. Es kam aber anders.

Ich: Ich hätte gern eine Cola. Und die Speisekarte bitte.
Dunkelhäutiger, schwarzbärtiger Gastwirt: Speisekarte haben wir nicht. Aber ich kann Ihnen sagen, was wir haben. Wir haben ein traditionelles armenisches Gericht mit …
Ich: Nicht chinesisch?
Er: Nein. Dies ist ein armenisches Restaurant.

Da Monika und ich noch nie armenisch gegessen hatten, probierten wir es aus und orderten das einzige Gericht, das die menschliche Speisekarte uns anzubieten hatte. Es gab einen Hackfleischspieß mit einem Reis-Pilz-Gemisch, dazu Salat und als Vorspeise geräucherten Schinken (sehr würzig) und etwas in flache Scheiben Geschnittenes, das uns der junge Mann als Darm bezeichnete. Was drin war, konnte er nicht sagen, so genau wollten wir es dann auch nicht wissen. Es schmeckte jedenfalls gut.
Dazu gab es es eine weitere armenische Spezialität: Armenischen Granatafelwein. Schmeckte sehr gut und erinnerte ein wenig an Sherry.

Während des Abends fragten wir mehrfach nach Einzelheiten des Gerichts und bekamen jedesmal zu hören, es sei „armenisch“. Es gab immer wieder Dialoge wie diesen:
Monika: Dieser Reis ist irgendwie anders, was ist denn das für ein Reis?
Wirt (stolz): Das ist armenischer Reis.

Ein Essen, das wir nicht so schnell wieder vergessen werden.

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Bücher in Regenbogenfarben

Buch_Berlin_2014_544Die Messe selbst war sehr schön, sehr bunt und hatte sehr viele nette und vor allem interessierte Besucher. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, waren es 1200 Leute, die sich an den beiden Tagen um die Stände drängten.

Am ersten Tag hatte Monika die geniale Idee, das Verlagssortiment nach Regenbogenfarben zu sortieren. Lyrik zu Kinderbüchern, theologische Schriften zu Autorenträumen. Das scheint allerdings doch nicht so recht zu dem erwünschten Käuferandrang geführt zu haben. Am zweiten Tag, als wir wieder „ordentlich“ sortiert waren, blieben gefühlt dreimal so viele Besucher stehen und blätterten in den Büchern.

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Nestis-Bücher und Weihnachtskarten

Ein Highlight auf dem Stand waren natürlich die beiden Nestis-Bücher. „Nestis und die verschwundene Seepocke“ und „Nestis und die Hafenpiraten“ sahen neben einander sehr schön aus, und ich habe fleißig in die Kamera gelächelt, wenn jemand vorbeikam, um mich zu knipsen. Gut kamen auch die Nestis-Weihnachtspostkarten an, die unsere Meerjungfrau zusammen mit dem etwas überfordert dreinblickenden Weihnachtsmann zeigen. Klar, der Ärmste hatte ja gerade 500.000 Kubikmeter Sand ausgeliefert …

Ich hatte eine Abteilung auf dem Verlagstisch für mich und legte dort auch die Movenna-Bücher, den Doktor Nikola, Darthula und ein paar Anthologien aus. Als besonders beliebt erwies sich dabei die Wurdack-Anthologie „Immer diese Kobolde!“, die ja auch etwas Beonderes ist.

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Kuschelige Lesung mit Matheprüfung

Am Samstag hatte ich meine Lesung aus dem neuen Nestis-Buch. Im zweiten Stock war dafür eine kuschelige Kissenecke eingerichtet, und ich hielt mich gar nicht lange mit dem Lesetisch auf, sondern pflanzte mich zu meinen Zuhörern in die Kissen (fragt bloß nicht, wie ich hinterher wieder hochkam …). Nebenan gab es eine Bastelecke und ein Bücherregal, aus dem die Kleinen sich auch später noch bedienen konnten.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein kleines blondes Mädchen im Grundschulalter, das meine Nestis in die Hand nahm und das Buch mit kritisch zusammengezogenen Brauen auf Herz und Nieren prüfte. Die Kleine las hier ein Stück, da ein Stück, studierte das Personenverzeichnis, begutachtete die Bilder, rieb die Seiten zwischen Daumen und Zeigefinger, und erst nach bestimmt fünf Minuten nickte sie ihrer Mutter gnädig zu, die dann das Buch bei Monika kaufte, und ich durfte endlich signieren. Puuh, Prüfung bestanden. War schweißtreibender als eine Hausaufgabenkontrolle beim Mathelehrer. ;-)

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Letzte Arbeiten am Weihnachtsbuch

Derweil werkelte Monika noch immer eifrig an unserem Weihnachtsbuch, legte letzte Hand ans Layout und fabrizierte noch einen Beitrag über die Hildesheimer Weisen, einen alten Brauch aus der Domstadt, den ich zugegebenermaßen überhaupt noch nicht kannte. Schade, dass diese Weihnachtstradition inzwischen eingeschlafen ist. Was die Frau geleistet hat, kann nur der recht würdigen, der dabei ihr kaputtes Knie mit einrechnet. Monikas Knie war nämlich inzwischen nicht besser geworden, eher schlimmer. Zum Glück half Verlegerin Andrea el Gato mit einem Zauberpflaster aus, das zumindest die Schmerzen etwas dämpfte.

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Verlegerbüffet und syrische Hochzeit

Am Samstagabend gab es ein gemeinsames Essen für die Aussteller mit phantastischem Büffet und netten Gesprächen, allerdings war ich auch irgendwann einfach zu müde zum Reden und Essen und war froh, als ich endlich im Hotel ins Bett fallen durfte.

Monika hatte etwas Pech, denn ihr Zimmer lag im ersten Stock, genau über dem Festsaal, in dem gerade von einer riesigen Gesellschaft in farbenprächtigen Gewändern eine Hochzeit gefeiert wurde.
„Armenische Hochzeit?“, fragte Monika unseren schwarzbärtigen Wirt.
Der schüttelte den Kopf: „Syrische Hochzeit.“ Was für eine Überraschung!

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Besuch von Ulrike Reineke

Der Sonntag brachte mir einen angemeldeten Besuch und einen Überraschungsbesuch ein. Zunächst traf ich mich mit meinem Lakotalehrer Martin Krüger, und wir quatschten eine ganze Menge am Stand des Traumfänger-Verlags mit Autorin Kerstin Groeper über Indianerliteratur. (Nein, ich habe nicht vor, der Fantasy untreu zu werden …) Wenig später schaue ich hoch und sehe gerade wie Elfenschrift-Herausgeberin Ulrike Reineke und ihr Mann Michael auf mich zugetsrömt kommen, das war doch mal eine nette Überraschung.

Um 18 Uhr gingen die letzten Besucher, und für uns hieß es: einpacken. Eine Stunde später ging es dann ab nach Hause über feuchte, dunkle Autobahnen, an deren Rand es stellenweise schon verdächtig glitzerte. Wir kamen aber unversehrt in Hildesheim an, eine halbe Stunde später fiel ich in Sillium ins Bett. Was für ein Wochenende.

Fazit

Insgesamt waren es zwei tolle, volle Tage in Berlin. Das Team von Biber und Butzemann, das diese erste Berliner Buchmesse auf die Beine gestellt hat, hat einen verdammt guten Job gemacht und eine Veranstaltung geschaffen, die geradezu nach einer Zweitauflage schreit. Es soll auch nächstes Jahr wieder eine BuchBerlin geben. Größer, mit mehr Ausstellern und in einem größeren Gebäude. Die lasse ich mir ganz bestimmt nicht entgehen.

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