Gastbeitrag | Blitzeis & Gänsebraten – Lesung im Michaelis-Weltcafé

Blitzeis_Cover_200Rappelvoll war es im Michaeliscafé am Abend des 9. Dezember. Die Hildesheimlichen Autoren hatten ihre Weihnachtslesung zu einer Blitzeis-Lesung umfunktioniert, sodass wir die neue Weihnachts-Anthologie „Blitzeis und Gänsebraten“ des Verlags Monika Fuchs vor gewogenem Publikum und in sehr gemütlichem Ambiente präsentieren konnten.
Insgesamt sieben Autoren waren gekommen, um acht Texte aus dem Buch zu präsentieren. Also bekamen die Gäste ein Drittel des Buches zu hören und konnten sich ein recht gutes Bild der Anthologie machen.

Moderatorin Petra tierisch nervös

„Mensch, Petra, du bist ja aufgeregt“; stellte eine Mitautorin überrascht fest. „Das kennt man von dir ja sonst gar nicht.“ Ja, stimmt. Es ist doch etwas anderes, einfach nur mit seinem eigenen Text nach vorn zu gehen, seine Geschichte vorzulesen und sich um den Rest nicht viel zu kümmern. Aber diesmal war ich als Herausgeberin des Buches und Moderatorin und nicht als Nur-Lesende vor Ort. Büchertisch einrichten, Autoren nachzählen, Karten auslegen, Autorenexemplare verteilen, in letzter Sekunde doch nochmal den Lesungstisch umräumen, damit die Autoren näher am Publikum sitzen, aufpassen, dass die Leselampe nicht umfällt, die Reihenfolge der Lesenden absprechen, wieder Autoren nachzählen, im Kopf nochmal die Moderation umwerfen, Reihenfolge umstellen, über Texte nachdenken, nochmal Autoren nachzählen und endlich erleichtert aufatmen, als der letzte endlich zwei Minuten nach Lesungsbegin zur Tür hereinschneit … Ja, es stimmt, ich bin ziemlich nervös gewesen und bin ständig wie ein geölter Blitz von einem Ende des Raumes zum anderen geschossen.

Wie „Blitzeis und Gänsebraten“ entstand

Zu Beginn erzählte ich ein wenig über die Entstehung der Anthologie, über die Ausschreibung und die Arbeit an den Texten. Vom Beginn der Ausschreibung und davon, dass ich schon fünf andere Anthologien herausgegeben habe. Auch ein wenig über Verzweiflungsausbrüche einer Herausgeberin beim Blick in ihr Mailpostfast. Aber nun ist ja alles gut …

Als „Galeria Kaufhof“ noch „Merkur“ war

Dann gab ich die Bühne frei für Peter Hereld, der die Zuhörer in eine Zeit entführte, als Galeria Kaufhof noch „Merkur“ hieß und auf dem Wunschzettel jedes Jungen die großartige Carrera-Rennbahn stand. Sonja Klima nahm uns danach mit auf einen lyrischen Spaziergang an die Innerste am Morgen des 24. Dezember – das einzige Gedicht dieses Abends, eine sehr berührende Naturschilderung, die unbedingt Lust auf eine Wanderung bei knackiger Kälte machte.

Weihnachten muss ausfallen – wegen der Nörglerstadt Hildesheim

Das vollkommene Kontrastprogramm dazu kam anschließend von Raphael Blischke. Der Schüler der Robert-Bosch-Schule war mit seinen 15 Lenzen nicht nur der jüngste in der Runde, er war auch das einzige Nicht-Vereinsmitglied, das unserem Aufruf gefolgt war und seine Geschichte zu besten gab. „Weihnachten muss ausfallen – wegen Hildesheim, dieser üblen Nörglerstadt“, lässt Raphael die Weihnachtswichtel feststellen. Doch es gibt ja ein Notfallprogramm, und aus der mit Müll und Graffitis verseuchten, ungeschmückten und bankrotten Stadt wird doch noch ein kleines Weihnachtswunderland.

Herzdieb auf dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt

Nach so viel Action musste dann einfach ein Gang über den Weihnachtsmarkt sein. Anke Wogersien erzählte von Glühwein und einer gescheiterten Beziehung, von einem Herzensdieb und einer Hildesheimer Sagengestalt, die es Dieben heimzahlt. Geschieht ihm recht, dem Herzdieb.
Es folgte ein Blick zurück in eine Zeit, in der an Weihnachtsmärkte und Geschenkerummel noch gar nicht zu denken war: Marlene Wieland erzählte ein Erlebnis aus ihrer Jugend, gerade angekommen in Hildesheim auf der Flucht, im Jahr 1950, als sie von ihrem Chef einen verantwortungsvollen Auftrag bekam: Am Heiligen Abend nach der Kirche in der Peemöller-Passage die teure Festbeleuchtung auszuschalten.
Ein neugieriges kleines Engelmädchen namens Lilly war die Heldin in Elviera Kensches Weihnachtsmärchen. Die Kleine schlich sich doch glatt aus dem Himmel fort, versteckte sich im Schlitten des Weihnachtsmannes und machte den Hildesheimer Weihnachtsmarkt unsicher. Na sowas!

Ein kleines blaues Fahrrad und ein obdachloses Paar

Wie heißt es so schön: „Mitgegangen, mitgefangen.“ Da ich zum Weihnachtsbuch auch eine Geschichte beigesteuert hatte, musste ich mich natürlich auch als Lesende beteiligen. Ich las also „Das kleine blaue Fahrrad“ vor, das dem einen oder anderen der hier Mitlesenden bekannt sein wird.
Den Schlusspunkt setzte Marlene Wieland, die eine Geschichte der Autorin Oudemia von Pantachou vortrug. Eine traurige Geschichte von einem obdachlosen Paar, das zu Weihnachten keine Unterkunft findet. Sehr nachdenkliche Töne zum Abschluss, mit denen wir unsere Zuhörer in die Weihnachtszeit entließen.
Alles in allem eine schöne, runde Lesung, die mir – und hoffentlich auch allen anderen – sehr viel Spaß gemacht hat. Wir hatten ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm, in dem lustige, melancholische, stille und poppig-bunte Beitrräge eine gute Mischung abgaben. Ich denke, die Zuhörer haben an diesem Abend einiges mit nach Hause genommen. Und vielleicht liest ja der eine oder andere am Heiligen Abend unter dem Weihnachtsbaum seiner Familie eine Geschichte aus „Blitzeis und Gänsebraten“ vor?

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