Buchvorstellung von Winfried Henze in den Kirchenzeitungen Hildesheim, Hamburg und Osnabrück:

01_Cover_Talente„Nicht selten reizt uns das Sonntags-Evangelium zum Widerspruch, die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg zum Beispiel, wo der letzte, der nur abends noch ein Stündchen gearbeitet hat, den gleichen Lohn erhält wie andere, die den ganzen Tag geschuftet haben. Oder der Tadel, den sich die Hausfrau Marta einfängt, weil sie ihren Gast bedient, statt sich – wie ihre Schwester – schön hinzusetzen und Konversation zu machen. Oder wie der fleißige Sohn, der zuschauen muss, wie seinem verlotterten Bruder ein Fest bereitet wird: Sind im Evangelium immer die Treuen und Zuverlässigen die Deppen?

Guido Fuchs hat sich einmal ganz entschieden auf die Seite der Abgekanzelten gestellt und lässt uns an einem Dutzend Beispielen erleben, wie solche Menschen sich wohl fühlen mögen. Natürlich weiß dieser Theologe, dem wir viele gute Einsichten zur Praxis des Christentums in Alltag und Liturgie verdanken, dass man die kantigen Worte und Verhaltensweisen des Herrn nicht nach unseren Vorstellungen von Höflichkeit oder Tarifgerechtigkeit beurteilen darf. Aber ihm missfällt es offensichtlich, wenn solche Texte weichgespült oder die Zuhörer ihrer Ratlosigkeit überlassen werden. Er lässt die Kanten stehen, macht in einem Fall (beim Mann mit dem einen Talent) sogar einen Gegenvorschlag für die Zielrichtung des Gleichnisses. So verschärft er die Provokation und reizt seine Leser zum Nachdenken. Das könnte, zum Beispiel in einem Bibelkreis, ein vorzüglicher Einstieg sein, nach der tieferen Bedeutung der Texte in der Reich-Gottes-Verkündigung zu suchen und das Eigentliche in ihrer Aussage zu entdecken.
Winfried Henze“

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