Berthold von Holle lebte und wirkte in der Mitte des 13. Jahrhunderts und gilt als einziger mittelalterlicher Dichter im norddeutschen Raum. Über sein Leben ist wenig bekannt. Er war Ministeriale, eine Art Beamter, im Dienst des Hildesheimer Bischofs Konrad II. (gest. 1249, Bischof 1221–1246) und wurde von dem Braunschweiger Herzog Johann von Braunschweig (ca. 1242–1277, ab 1252 Herzog zu Braunschweig und Lüneburg) gefördert. Letzterer wird in Bertholds Versepos »Crane« als Gewährsmann und Quelle erwähnt wird, dadurch lässt sich das Werk auf die Zeit um 1260 datieren.
Berthold von Holle verfasste mehrere Epen. Vollständig oder zumindest beinahe vollständig erhalten sind die Werke »Crane« und »Demantin«, von einem dritten Epos, das den Titel »Darifant« trug, sind nur Fragmente überliefert. Da sich Berthold im »Crane« als Verfasser des »Demantin« bezeichnet, den »Darifant« aber nicht erwähnt, ist davon auszugehen, dass »Demantin« das älteste der drei Gedichte ist und der »Darifant« bei Abfassung des »Crane« noch nicht vorlag.
Bertholds Sprache orientiert sich an der Sprache der mittelhochdeutschen klassischen Werke der süddeutschen Dichter, ist jedoch von niederdeutschen Lauten durchsetzt und stellt in der Literatur des Mittelalters eine Besonderheit dar. Ein Indiz für die Bekanntheit und Beliebtheit seiner Werke ist, dass der »Crane« noch zwei Jahrhunderte nach seiner Entstehung Nachahmer fand. Im 15. Jahrhundert entstand eine niederrheinische Prosabearbeitung des Stoffes. Ferner ist ein Lübecker Fastnachtsspiel namens »Crane, Valke und Stare« aus dem Jahre 1444 überliefert. Über ein Nachwirken des »Demantin« und »Darifant« ist nichts bekannt.

Publikationen bei uns