Artur Rosenstern

Foto: Fotostudio Flentge

Jung, allein und in ein fremdes Land einwandernd – Artur Rosenstern hat dies erlebt. Und beschreibt in humorvoller Weise, was alles passieren kann, bis man auf dem Planeten Germania angekommen ist.

Durch Glasnost und Perestroika vor gut 30 Jahren ergaben sich für die Menschen des gesamten damaligen Ostblocks neue Freiheiten und Möglichkeiten, nicht nur für die Menschen in der DDR. So feiert der Autor Artur Rosenstern, der heute in Herford lebt, am 3. Oktober seinen ganz persönlichen 30. Jahrestag: An diesem Tag landete er, aus Kasachstan kommend, auf dem Frankfurter Flughafen.

Rosenstern ist deutschstämmig, seine Familie war vor Generationen aus Schwaben nach Russland ausgewandert. Er nutzte die neue Reisefreiheit, um ins Land seiner Vorfahren zurückzukehren. Sein Ziel: Ein echter Wessi zu werden – das war der Traum, den er aus Kasachstan mitgebracht hatte. In der Realität war es dann nicht ganz so einfach. Von Frankfurt ging es zunächst nach Hannover, um in Integrationskursen Land, Leute und Sprache kennenzulernen.

Die Erlebnisse seiner ersten Zeit in Deutschland beschreibt Artur Rosenstern  in dem Buch Planet Germania. Über die Chance, fremd zu sein. Nicht alles darin ist autobiografisch, er hat auch Erzählungen anderer, die als Fremde nach Deutschland kamen, aufgenommen und literarisch verdichtet.

In seiner Geschichte ist es der junge Andrej, der aus Kasachstan kommt und am Flughafen von Verwandten aus Schwaben abgeholt wird. Sehr beeindruckt vom schnellen Auto des Onkels bekommt er zu hören: »Hascht du viele PS, bischt du was, hascht du wenig PS, bischt du nix!« Von nun an setzt Andrej alles daran, etwas zu werden: ein Auto muss her und Deutsch will er lernen, damit er bald ein echter Wessi ist. In Hannover, wo angeblich das beste Deutsch gesprochen wird, soll er einen Sprachkurs machen.

Überra­schend trifft er dort seinen früheren Schulfreund und Nachbarn Murat. Murat hat auch Ziele, auch er will etwas werden: zunächst Millionär und später Präsident von Kasachstan.

Doch bis aus den beiden etwas wird, müssen sie lernen, sich in der fremden Heimat zurechtzufinden. Mehr als einmal kommen sie sich wie Außerirdische vor, die den unbekannten Planeten Germania erkunden müssen: nicht nur die Sprache bietet Stolpersteine, auch Sitten und Gebräuche der Deutschen halten so manche Merkwürdigkeit für die beiden Freunde bereit.

Inzwischen hat Rosenstern, der in Kasachstan Musiker war, Musikwissenschaft und Geschichte studiert. Er war bei einem bekannten Musikverlag tätig, bis er sich als Übersetzer und Autor selbstständig gemacht hat. Seinem Traum vom „Wessi-Sein“ ist er ein großes Stück nähergekommen. Aber das ist jetzt gar nicht mehr so wichtig.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.